Leben und Gesundheit
Wahr oder Mythen? Forscher prüften nach
Benützen
wir tatsächlich nur 10 Prozent unseres Gehirnes? Wachsen die
Haare wirklich schneller nach, wenn man sie abrasiert? Macht der
Verzehr von Putenfleisch tatsächlich müde?
Wissenschaftler aus dem US-Bundesstaat Indianapolis wollten es genauer
wissen und machten sich auf die Suche nach Beweisen oder Gegenbeweisen
dieser medizinischen Mythen.
Rachel C. Vreeman und Aaron E. Carroll weisen im Rahmen ihrer
Publikation darauf hin, dass sogar Ärzte solcherlei Mythen
aufsitzen ohne die Richtigkeit dieser teils uralten Weisheiten
nachgeprüft zu haben. Die beiden Forscher erstellten daher
eine Liste mit allgemein bekannten, häufig von der breiten
Öffentlichkeit verwendeten medizinischen Aussagen und
prüften diese kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt. Sie
benutzten Medline und Google, um wissenschaftlich belegte Beweise
für die Unterstützung der Thesen oder deren
Widerlegung zu finden.
Neurowissenschaftlichen Studien zum Trotz hält sich
das Gerücht, wir würden nur 10 Prozent unseres
Gehirnes nutzen, seit etwa hundert Jahren standhaft. Wissenschaftliche
Untersuchungen des Gehirns zeigen eindeutig, dass die Menschen weit
mehr als nur ein Zehntel ihres Gehirnes einsetzen. Keine Gehirnregion
sei völlig untätig, ergaben die Forschungen an
Patienten. Von einer 90-prozentigen ungenutzten lokalen Gehirnleistung
könne daher nicht die Rede sein.
Der Ursprung dieses Mythos, mindestens 8 Gläser
Wasser pro Tag zu trinken, kommt laut Recherche der Forscher
wahrscheinlich aus dem Jahre 1945. Damals empfahl man den Erwachsenen
2,5 Liter täglich zu trinken. Der Großteil der
täglich benötigten Flüssigkeit sei aber
ohnehin in den zubereiteten Mahlzeiten enthalten. Frederick Stare, ein
weiterer bekannter Ernährungswissenschaftler, wiederum empfahl
einst ohne – so scheint es - wissenschaftlichen Hintergrund,
den Verbrauch von etwa 6 bis 8 Gläsern Flüssigkeit
(Bier, alkoholfreie Getränke, Tee, Kaffee und Milch
eingeschlossen) innerhalb von 24 Stunden. Der Mythos, man
müsse täglich mindestens 8 Gläser Wasser
trinken, konnte genau genommen von den Forschern weder widerlegt noch
bestätigt werden.
Andererseits soll ein extremes Zuviel an Wasserzufuhr zu einer
Wasservergiftung (Hyperhydration) führen, die ebenso wie bei
einer Verdünnungshyponatriämie (zu niedriger
Natriumspiegel im Blut durch vermehrte Zufuhr von
„freiem“ Wasser) aus einem Ungleichgewicht von
Salzen und der Flüssigkeit im Körper resultiert und
in schweren Fällen sogar zum Tod führen kann. Wie bei
allen Mitteln macht wohl sogar bei scheinbar harmlosen
Flüssigkeiten wie Wasser die Dosis das Gift aus!
Wächst das Haar schneller, dunkler und fester nach, wenn man es rasiert?
Sicherlich haben schon zigtausende Menschen
probiert, sich vermehrt die Haare zu rasieren, um den Wuchs zu
beschleunigen – an den gewünschten Stellen wie Kopf
oder an der männlichen Oberlippe zum Beispiel. Den Recherchen
der Forscher zufolge kann dieser Mythos nicht bestätigt
werden. Neuere Studien besagen, dass das Rasieren die Dicke und Dichte
des Nachwuchses nicht beeinflusst. Der Eindruck könne
womöglich entstehen, da der erste Teil des einzelnen Haares,
der beim frischen Wuchs an der Haut zum Vorschein kommt durch die
fehlende Bleichung der Sonne oder chemischen Zusätzen dunkler
erscheint und durch die Grobheit der Stoppeln härter und
fester wirkt als der Rest des Haares, das dann feiner und weicher bis
zum Ende hin ausläuft.
Dass der Verzehr von Putenfleisch müde mache, stamme
wohl von seinem Tryptophan-Gehalt, einer essentiellen
Aminosäure, die über die Nahrung dem Körper
zugeführt werden muss und neben einer stimmungsaufhellenden
auch eine schlaffördernde Wirkung nachgesagt wird. In Wahrheit
enthält der Publikation der beiden Wahrheitsfinder zufolge das
Truthahnfleisch nicht mehr Tryptophan als Rindfleisch, und viel weniger
als Milch und Milchprodukte wie Käse und auch weniger als
Schweinefleisch. Eine vermehrte Schläfrigkeit nach dem Verzehr
von Putenfleisch konnte daher nicht nachgewiesen werden. Vielmehr
machen große Mahlzeiten allgemein müde aufgrund der
Abnahme des Blutflusses und des Sauerstoffs im Gehirn, vor allem auch,
wenn man Wein dazu trinke.
Uneinigkeit herrscht in der Welt der Augenheilkunde
über die Wirkung des Lesens bei schwachem Licht auf die
Sehkraft. Die einen meinen, dass das Lesen im gedämpften Licht
die Augen nicht beschädigt, wenn auch eine
Überanstrengung der Augen einen negativen, aber nicht
dauerhaften Effekt verursachen kann. Andere Experten wiederum meinen,
dass das Strapazen ausgesetzte Auge durch zu schwaches Licht oder das
Halten von Büchern zu nahe vors Gesicht auf ein schlechtes
Augenwachstum und einen Fehler bei der Gesamtbrechkraft des Auges
(Refraktionsfehler) hinauslaufen könnte. Die Forscher dieser
Mythen-Untersuchung kamen hier genau genommen auf der Suche nach der
Wahrheit auf keinen grünen Zweig.
Mobiltelefone sind in Krankenhäusern nicht gern
gesehen. Angeblich stören sie die medizinischen
Geräte. Da generell in einem Haus voll Kranker und Verletzter
Ruhe herrschen sollte, ist ein Verbot von Handys grundsätzlich
zu begrüßen. Wissenschaftlich erwiesen ist die
massive Beeinflussung von Mobiltelefonen auf medizinische
Gerätschaften allerdings nicht. Es habe zwar angeblich
gelegentlich Fehlalarme an Monitoren und falsche Lesungen an
Herzmonitoren gegeben, lebensbedrohend waren diese Störungen
allerdings nicht. Die Angst gehe auf einen Artikel des Wall Street
Journals zurück, das einen Bericht über
elektromagnetische Störungen bei Geräten vor 1993 auf
die Titelseite brachte. Weitere Studien ergaben, dass Mobiltelefone nur
4% von Geräten und nur in einer Entfernung von weniger als 1
Meter störten. Weniger als 0,1% lösten ernste
Störungen aus. Neue Technologien könnten
sogar diese minimale Beeinflussung von medizinischen Geräten
durch Mobiltelefone vermindern.
Die Vorstellung, dass Haare und Fingernägel auch nach dem Tod noch eine Zeitlang wachsen, mag morbiden Gemütern durchaus einen angenehmen Schauer über den Rücken jagen. Der Gerichtsanthropologe William Maples widerlegt diese Vermutung. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Dermatologen weist er auf den Wasserentzug und die damit einhergehende Austrocknung des Körpers nach dem Tode hin, die zu einem Schrumpfen der Haut führt. Dieses natürliche Phänomen führt dazu, dass Fingernägel und Haare länger wirken als sie es zum Todeszeitpunkt waren. Das Wachsen des Haares und der Fingernägel würde einen hormonellen Ablauf im Körper benötigen, der bei einem toten Menschen eindeutig nicht mehr funktioniert.
Fazit
Wahrheit und Aberglaube liegen hier ganz nah beieinander. Die Forscherin Rachel Vreeman und ihr Kollege appellieren an die Ärzte, solcherlei und andere medizinische Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor sie sie unter ihren Patienten verbreiten. Schließlich bekleidet man als Arzt eine Autoritätsposition und sollte daher nur bestätigte Aussagen wiedergeben.Quelle: “Medical myths” (British Medical Journal, Dec 2007; 335:1288-1289)
In
Harmonie mit der Natur leben und die Umwelt und die Tiere sehr ernst
nehmen.